Modifikation an der Scheibenbremse AVID BB7 ROAD

Grundidee hinter den folgenden Zeilen war der Wunsch nach einer dunkelfarbigen Bremsanlage an einem überwiegend schwarz gehaltenen Rahmen. Interessanter sind jedoch technische Effekte:

  • Bremsbeläge müssen nicht mehr so dicht an die Scheibe angestellt werden, das System wird toleranter ggü. taumelnden Bremsscheiben.
  • Der Bremshebel weist weniger Leerweg auf, dies kann speziell aus Bremsgriffhaltung heraus nützlich/angenehm sein.
  • Der Bremshebel kann so justiert werden, dass ein Heranziehen des Hebels bis an den Lenkerbogen nicht mehr möglich ist (aus der Fahrt heraus, im Stand geht das natürlich, aber dann liegen Handkräfte an, die nicht realistisch nutzbar sind, Überschlag droht).
  • Ggf. weitere Verringerung der erforderlichen Handkraft (je nach Hebelgeometrie).

Für keinen der nachfolgenden Arbeitsschritte und Maßnahmen übernehme ich irgendeine Verantwortung!

Die Dokumentation ist nur für mich selbst und meine Zwecke ohne Sicherstellung von Vollständigkeit oder sonstigen qualitativen Prüfungen. Eine mögliche Nachahmung erfolgt auf eigene Gefahr.

Austausch/Modifikation im Bremssattel

Durch Austausch eines Bauteils in der Bremse kann die MTN-Version der Bremse optimal an die Anlenkung durch einen Rennradbremshebel angepasst werden. Arbeiten wie folgt, unter der Annahme, dass die MTN an irgendeinem Rahmen montiert ist. Sollte die MTN bereits auf der Werkbank liegen, mit Punkt 3 beginnen:

  1. Den Bremszug lösen (5er Inbus),
  2. Bremssattel vom Rahmen und/oder Adapter schrauben (5er Inbus),
  3. Bremsbeläge und Spreizfeder entfernen (spitze Zange hilft dabei),
  4. das rote kleine Verstellrädchen entfernen (mit Schlitzschraubendreher abhebeln), das sollte zusammen mit einer Metalleinlage im Plastikteil gehen, wenn nicht, das Metallteil einzeln abheben und wieder in das Plastikteil passend einlegen,
  5. die Verschraubung des Betätigungshebels lösen/entfernen (11er Nuß/Ratsche, zur Not geht auch ein Maul-/Ringschlüssel),
  6. nun läßt sich eine Beilagscheibe (ausgeformt! Position merken), der eigentliche Betätigungshebel, ein Dichtgummi sowie die Spannfeder entfernen.
  7. Auf der anderen Seite des Bremssattels: Das rote große Belageinstellrad inkl. darunter befindlichem Aluteil komplett aus dem Bremssattel ausdrehen (25er Torx),
  8. jetzt kann der auszutauschende Stempel durch die ggü. befindliche Öffnung im Bremssattel entnommen werden (Tuch unterlegen, damit die drei Kugeln, die mit dem Stempel mitkommen, nicht verloren gehen).
  9. Die drei Vertiefungen (aka Steigfelder) im Bremssattel und im ROAD-Stempel (Prägung ‚R‘) mit Fett füllen,
  10. Kugeln in die Steigfelder im Bremssattel eindrücken,
  11. den ROAD-Stempel durch die Öffnung im Bremssattel einführen,
  12. restlicher Ablauf gem. der Punkte 7 bis 1 (bzw. 3).

Wirkungsweise des Umbaus

Die Stempel der ROAD und der MTN unterscheiden sich in der Ausformung der Vertiefungen/Steigfelder, in denen die drei Kugeln sich bewegen. Die Steigfelder sorgen für die Umsetzung der Drehbewegung, die durch den Bremszug am Betätigungshebel erzeugt wird, in eine axiale Bewegung, die den äusseren Bremsbelag Richtung Scheibe antreibt. Also das Prinzip einer Schraube, die in ein Gewinde eingedreht wird. Durch den Umbau wird die Steigung des „Gewindes“ und somit der Vortrieb pro Drehwinkel Richtung Bremsbelag verändert.

Technische Details

SRAM-Dokumentation

http://www.sram.com/sites/default/fi…_spc_rev_c.pdf

Seite 13, Explosionszeichnung der BB7, Version 2008-2012.

Teile Nr. 4; 11.5311.625.000; BB7 Road Internals Kit

wäre das Teil, welches es zu kaufen gilt, wenn man keine ROAD hat, die man ausschlachten kann.

http://www.youtube.com/watch?v=zcYsL_R4sIo&feature=related zeigt ungefähr ab 0:55, welche Teile in korrekter Reihenfolge auf der Werkbank liegen. Rechts neben den drei Kugeln sieht man den Stempel, Bestandteil der Baugruppe mit der Nr. 4

Hier nochmals zur Verdeutlichung:

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Fazit

Das so modifizierte System wird seit vielen hundert Cross- und Strassenkilometern in Verbindung mit Ergos von Campagnolo (2012er Modellreihe) betätigt. Die Funktionsweise ist einwandfrei. Wie Hebel anderer Hersteller auf die geänderte Kinematik reagieren, ist mir nicht bekannt.

Warnung

Der umgekehrte Weg, den MTN-Stempel in den ROAD-Bremssattel einzusetzen, ist mechanisch natürlich kein Problem. Die Lösung ist aber gefährlich, da so gut wie keine Bremskraft aufgebaut wird und der Hebelweg zudem minimal ist. Ein MTB kann damit aus einer Geschwindigkeit von 15 km/h quasi nicht wirkungsvoll verzögert werden.

Möglicherweise kann man diese Kombination zur sauberen Funktion bringen, indem man Kugeln mit größerem oder auch kleinerem Durchmesser (je nach dem, wie man mit dem Betätigungshebel umgeht) einsetzt.

Weitere Maßnahmen, Anmerkungen

Federvorspannung

Es kann sinnvoll sein, bei Bremsen, die mit durchgehender Zughülle angesteuert werden, die Federvorspannung an der hinteren Bremse stärker vorzuspannen (Madenschraube, siehe Manual des Herstellers).

Zugsystem

Campa-Bremszüge nicht mit Nokon-Linern verwenden.

Präzise Ablängung der Zughüllen (rechtwinklige Schnittkante zur Zughülle)

Vorgedehnte Züge verwenden, es gibt einen dt. Hersteller von solchen Zügen.

Alternative Bremsbeläge

Swisstop Grün in Verbindung mit der originalen Spreizfeder verwenden.

Bremsscheiben

Auf CleanSweep 2 oder 3 umrüsten, die älteren Roundagon sind m.E. nicht so gut.

Nicht nur Hemdknöpfe gehen verloren

Nach einiger Schlumpferei wollte ich vorletztes Wochenende wieder auf das GT klettern, also zur üblichen Sonntagsausfahrt. Rad aus der Hütte, angelehnt, Ölkännchen für die Kette gezückt, dumm geguckt. Irgendwas sieht seltsam aus. Zwei Schritte zurück, nochmal prüfend geschaut und dann viel mir auf, was komisch war.

Der rechte Schaltknopf war perdü, die Kurbelbefestigungsschraube grinste mich frech an.

OK, GT wieder in die Hütte, kurz geärgert und am Sonntag dann halt den Crosser raus und damit eine schöne, saukalte, sonnige Runde gedreht. So sah das damals noch aus:

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Ich schweife ab…

Am Sonntag Abend eine Mail an meinen Lieferanten verfasst, kann ja nicht sein, dass die rechte Seite den Schaltknopf verliert. Denn das ist die herstellerseitig vormontierte Seite, da muss man als Endanwender nix tun. Wenn ich den linken Knopf verloren hätte, mei, dann wäre es mein Pech. Denn einen Drehmomentschlüssel mit 1,1 Nm habe ich nicht. Dieses Drehmoment ist erforderlich lt. Hersteller, um den Knopf so auf der Gewindestange zu kontern, dass er sich nicht lösen kann.

Ende der Woche hatte ich per Brief inkl. einem sehr netten Entschuldigungsschreiben meinen Ersatzknopf. So habe ich mir das vorgestellt und mich entsprechend gefreut.

Da ein Ersatzknopf nicht billig ist, schaue ich nun leider zu oft nach unten, um zu sehen, ob die Knöpfe noch da sind. Nicht gut.

Bin demnach am Grübeln, wie man die Schaltknöpfe gegen Verlust während der Fahrt weiter sichern kann, ohne dass die sonstigen Bedingungen nicht eingeschränkt werden. Vom Grundsatz her habe ich da schon eine Idee, ich muss nur ein Kleinteil auftreiben…

Fortsetzung folgt.

Wir schlumpfen uns eine Anleitung

Kürzlich musste ich schmunzeln. Mir wurde gesagt, ich hätte Talent zum Schreiben von Betriebsanleitungen. Interessant.

Jetzt hat mich der Schlumpf aber eiskalt erwischt und ich muss quasi eine Betriebsanleitungsergänzungsverschlumpfung machen, damit andere nicht in die selbe Problematik tappen.

Denn, das kam so. Während des Einbaus des Schlumpfs fiel mir auf, dass die selbstsichernde Nutmutter, die links auf der Achse sitzt, unter der Nutmutter (die m.E. eigentlich eine Nuthülsenmutter ist) nicht so weit hervorsteht, dass man die Mutter mit dem dafür vorgesehenen Nutmutterschlüssel nachjustieren kann. Die Nuten sind nicht erreichbar.

Die Begriffsverwirrung ist an dieser Stelle schon mal perfekt. Der Bezeichner „Nutmutter“ wird nämlich in den erweiterten FAQ für zwei verschiedene Muttern leider identisch verwendet.

So, der Einfachheit halber: Die Bezeichnung „Nutmutter“ für das Teil, welches von Form und Funktion her eigentlich einer klassischen Innenlagerschale (z.B. Shimano-Patronenlager, linke Seite) oder auch der Hülsenmutter zur Befestigung einer Rennradbremse an Gabel oder Bremssteg entspricht, nenne ich in Verbindung mit dem Schlumpf eben „Nuthülsenmutter“.

Die Bezeichnung „Nutmutter“ für die selbstsichernde Mutter, die das gesamte Getriebe von links justiert (nicht vorspannt!), bleibt bestehen.

Nochmal zurück, zum Einbau und den Unterlagen hierfür. Mir waren bisher bekannt:
– Die kurze Einbauanleitung
– Das Handbuch
– Die normalen FAQ

(Alles auf http://www.haberstock-mobility.de zu finden.)

Über die erweiterten FAQ bin ich dieses Wochenende quasi zufällig gestolpert. Und das war gut so. Sie enthalten nämlich Infos, die meiner Meinung nach unbedingt in die Anleitung rein müssen.

In meinem oben verlinkten Einbaubericht schreibe ich, dass das System in Umlaufrichtung leichtes Spiel hat. Nun lese ich in den erweiterten FAQ, dass das Kettenblatt in Umlaufrichtung leichtes Spiel haben darf bzw. dies so sein muss. Bei mir war vorher die Interpretation „System“ = Achse mit allem drum und dran. So, da kam ich dann schwer ins Grübeln, denn mit meinem Einbau stimmt dann wohl möglicherweise etwas nicht.

Nun kommen die erweiterten FAQ ganz konkret ins Spiel, da steht nämlich genau dieser Fehler beschrieben.

Punkt „I.16.6. Kontrolle „, Zitat:

„Kontrolle: Die Nutmutter muss immer mindestens 2mm vorstehen, damit das linke Kugellager korrekt gelagert ist und das Spiel auch eingestellt werden kann (mittlere Foto)!

Die unterste Foto zeigt einen falschen Einbau: Die Nutmutter steht nicht vor, das Spiel könnte gar nicht mehr eingestellt werden. In dieser Lage ist die Achse links gar nicht mehr gelagert bzw. das Kugellager liegt auf dem Gewinde der Nutmutter auf und wird Spiel aufweisen.“

Einschub: Hier wird im letzten Satz des Zitats der falsche Begriff „Nutmutter“ verwendet, hier ist nämlich die „Nuthülsenmutter“ gemeint.

Ich habe also genau die hier als falsch beschriebene Situation.

Hier das Bild, welches den Fehler illustriert:

Nachdem klar war, dass da wirklich was nicht in Ordnung ist, grübelte ich über die Ursache.

Einfache Feststellung: Die Achse ist zu kurz oder das Tretlagerrohr zu lang.
Oder der Alukonus zu breit? Der Alukonus war richtig, 0,5 mm und korrekt montiert.

Ich zog das zum Lieferumfang gehörende Blatt mit den techn. Daten hervor und las sinngemäß: Für Tretlagerrohrbreiten von 68 bis 73 mm. Für breitere Gehäuse steht eine um 10 mm längere Achse zur Verfügung.

Feststellung der Tretlagerbreite durch Nachmessen. Und siehe da, das Gehäuse vom GT hat 75 mm und nicht die üblichen 73 mm. Na toll. Hier haben sich die fehlenden Millimeter also versteckt.

Ich habe den ganzen Aufbau wieder zerlegen und gemäß den FAQ gemessen und geprüft. Tatsächlich, das Industrielager befindet sich im Gewindeteil der Nuthülsenmutter und nicht im glatten Bereich. Daher das Gewackel.

Drehe ich die Nuthülsenmutter ungefähr 2 mm weiter auf, dann passt alles.

OK, das bedeutet zwei zusätzliche Arbeitsschritte. Die rechte Seite des Tretlagers um 2-3 mm kürzen und erneut mit dem Fräser bearbeiten. Zum Glück habe ich den Leihfräser noch nicht zurück gesendet. Ich habe nur rechts bearbeitet, da auf diese Weise die Asymmetrie des Tretlagers vermindert wird. Rechts 2-3 mm weiter rein heißt links um den Betrag weiter raus.

Nach der Anpassung dann fix wieder alles verschrauben. Und siehe da, der Schlüssel zum justieren der Nutmutter läßt sich ansetzen und alles ist spielfrei.

An dieser Stelle sei angemerkt: Es geht nun recht eng zu im Bereich der Getriebeabdeckung nach innen und beim Kettenblatt. Viel Platz ist nicht mehr, um an der Kettenstrebe vorbei zu kommen. Aber es reicht.

Nun ist noch die Kettenlinie noch nachzubessern. Ich hatte ja auf die Hosenschutzscheibe verzichtet und demnach den Zwang, die nun fehlenden 2 mm Material auf den Hülsenmuttern der Kettenblattverschraubung auszugleichen. Hierfür legte ich dünne Distanzscheiben aus dem KFZ-Bereich (Ventilspiel) unter. Dies links vom Spider. Zwischen Spider und Kettenblatt habe ich die mit dem Schlumpf mitgelieferten Distanzscheiben eingesetzt.

Immer noch unklar ist mir, ob ich mich beim Ausfüllen des Anfrageformulars geirrt hatte oder an anderer Stelle der Fehler entstand. Das ist leider nicht mehr nachvollziehbar.

Wichtig: das Anfrageformular bei Haberstock fragt die Tretlagerrohrbreite überhaupt nicht ab. Von daher anderweitig die Info übermitteln, wenn man ein Tretlager hat, welches nicht im Bereich 68 bis 73 mm abgelängt ist.

Schlussendlich stellt dieses Malheur aber einen enormen Vorteil dar: Ich habe nun 10 mm weniger Q-Faktor als vorgesehen.

So, hier noch paar Bilder…

Und hier der Schlumpf in Bewegung:

Schlumpfen, äh – fahren

Heute war es soweit, erste Ausfahrt mit dem verschlumpften GT peace 9’r.

Das Schalten klappte auf Anhieb, nachdem ich begriffen hatte, dass ich nur schalten kann, wenn das jeweilige Pedal vorne ist.

Die ersten Schaltvorgänge: Kurzes Innehalten, Ferse leicht bewegen und klack. Gang sitzt.

Ich treffe den Knopf auf Höhe des Knöchels mit dem Schuh, die erforderliche Auslenkung des Schuhs nach innen ist nicht groß, der SPD-Cleat gibt den nötigen Spielraum ganz locker her. Leute mit wesentlich kleineren Schuhen sollten auch problemlos schalten können.

Interessant wird die Frage, was ist, wenn kein MTB-Schuh bzw. nur ein Sommerschuh, der entsprechend dünner ist, gefahren wird. Kann ich erst was dazu sagen, wenn es wieder warm ist.

Dann wurde ich mutiger: Versuche, zu schalten ohne die Tretbewegung zu unterbrechen. Das geht auch quasi auf Anhieb (mit dem dicken Schuh auf jeden Fall), man streift am Knopf vorbei und schon ist er eingedrückt.

Jetzt der interessante Teil der Übung. Das Getriebe kann den Gang nur wechseln, wenn es ganz kurz lastfrei ist. Wenn man nun den Druck auf dem Pedal stehen läßt, nachdem der Knopf eindrückt wurde – dann passiert zunächst einmal nichts. Und das finde ich prima. Man kann jetzt nämlich bei günstigen Bedingungen den Gang „vorschalten“ und je nach Situation durch gezieltes Lastwegnehmen verzögert zum eigentlichen Schaltzeitpunkt den Gangwechsel ausführen lassen.

Im Wiegetritt habe ich es noch nicht geschafft, einen Gangwechsel auszuführen. Vermutlich eine Frage der Übung und Zeit, bis das auch geht. Ich stelle mir das so vor, mit dem großen Gang in den Anstieg rein, dann Wiegetritt, bis es fast nicht mehr geht und schalten und Druck stehen lassen. Dann vllt. hinsetzen, kurz entlasten und man pedaliert wieder locker pfeifend vor sich hin.

Als es heller wurde und ich das Getriebe sehen konnte, habe ich ab und an mal nach unten geguckt. Das ist schon komisch, wenn sich das Kettenblatt bei eingelegtem Gang schneller dreht als die Kurbel es tut.

Schalten für Anfänger: vollintegriert, ohne Kabel und fast digital

Nachdem meine zwei Wachhunde anno Januar 2012 dem Paketdienstleister den Zutritt zum äusseren Schlosshof meines bescheidenen Anwesens gewährt hatten, hielt ich das langersehnte Paket mit der ultimativen Technik, die der leidlich untermotorisierte Zweiradfreak so braucht, in Händen. Der schwächliche Zweiradler von heute, der schaltet nämlich ab und zu. Weil, sonst kann er nämlich keinen Blumentopf gewinnen. Und dann kriegt er auch keine Frau (Sex sells, you know?). Eine fatale Verkettung von Umständen.

Die Key-Features dieser BlumentopfundFrauengewinnmaschine:

– in den Rahmen vollintegriert und optisch einigermaßen unauffällig
– allfällig innovative Bedienung durch zwei relativ ergonomisch angebrachte Schaltknöpfe
– keine Stromversorgung erforderlich
– Wartung ohne Diagnosegerät und Einbindung ahnungsloser Händler möglich

Die aktuellen Elektrischen der angeblichen Marktführer können sich da warm anziehen, keine Frage.

Logisch, dass so ein System anständig gewürdigt werden sollte im Rahmen einer präzisen, ernsthaften Produktvorstellung inklusive Dokumentation von Einbau, Nutzung und selbstredend Erfahrungen während und mit der Fahrung. Das mach‘ ich jetzt. Kann aber ein bisschen länger dauern. Nix für Hektiker.

Aber zunächst die zwo Typen, mit denen alles begann. Zwei. Die Zahl der Zahlen. Steht für An/Aus, Dick/Dünn, Groß/Klein, Blöd/sehr blöd, immer hungrig/fast nie satt. Die optimale Umgebung, um zum richtigen Zeitpunkt auf die richtige Idee zu kommen.

Das war im Oktober. Bzw. eigentlich auch schon im Winter 2010/2011. Aber dann kam die Faulheit, die sich lange hielt. Da sind die zwo auch ganz vorne mit dabei. Bis zum denkwürdigen Tag im Oktober. Ja, ich mach’s. Ich will auch so ne moderne Schaltung. So eine, wo man nie was falsch machen kann, die sich selber justiert und sich bei Defekt automatisch nach Japan oder sonstwohin einschickt. Unbedingt, sowas muss her. Das Tour-Forum macht’s vor, ich muss da mit.

OK, Japan. Italien (oder doch auch Asien?). Mei, ist dös weit weg. Nee, das muss anders gehen. Europa? Also so richtig und dann auch gleich so richtig kompliziert? Na klar, warum nicht. Dem Ingenör ist ja nix zu schwör.

Ich habe all‘ meinen Mut zusammengenommen, Anfang November eine E-Mail verfasst und gewartet. Geduldig gewartet. Man weiß ja, wie die da so sind. Manchmal dauert das Gute halt etwas länger. Puuuuh. Warten geht auf die Nerven. Ganz vorsichtig, fast ängstlich, eine Erinnerung an den Maestro verfasst. Kaum diverse Tage später dann Antwort auf wenige meiner gestellten Fragen, aber immerhin, der Meister selbst verfasste ein Schreiben an mich. Ich spürte relativ gute Vibrationen. Um nicht zu sagen, es kribbelte. So richtig elektrisch.

Warten können ist ja schon super. Ich wurde belohnt, denn, es begab sich, dass dieses kompliziert zu erreichende Stückchen Erde, auf dem mein Wunderwerk hergestellt werden sollte, ein Einsehen hatte und der Meister auch in meinem Heimatland (gut, zwar Baden-Württemberg, aber besser als nix) eine Dependance zu eröffnen gedachte. Das bedeutet, ich kann mit richtigem Geld bezahlen und die Verschiffung des wertvollen Gutes geht auch etwas einfacher. Möglicherweise. Aber dazu später mehr.

Ich schrieb erneut, es war der November schon weit fortgeschritten und die Antwort auf mein Ansinnen war ermutigend, am Ball zu bleiben. Die Sache war im Fluß. Nur, ich musste mich wieder gedulden. Die Website muss noch an die Thematik angepasst werden, bekam ich mitgeteilt. So klickte ich ab und an mal rein und siehe da, eines Abends war die Seite nicht so richtig erreichbar. Das Fieber kam. Jawoll, der Webmaster webt sein Web. Tags darauf bekam ich Gewissheit. Ein Formular zur „unverbindlichen Anfrage“ erschien auf meinem Monitor.

Ich füllte aus und schickte weg. Und wartete. Und schrieb eine E-Mail. Und bekam knapp vor den Weihnachtsfeiertagen einen netten Anruf und die Info, dass das Formularsystem wohl noch nicht so toll funktioniert hat und etwas Durcheinander passiert ist und so. Aber, mein System geht jetzt in Produktion und es fehlt nur noch eine klitzekleine Kleinigkeit in der technischen Spezifikation. Ich gab den fehlenden Baustein preis und fragte dann doch ein bisschen verdutzt. Wieso geht mein System in Produktion? Ich wollte doch zunächst nur wissen, was mich das Gesamtpaket denn kosten würde. Bestellt habe ich doch noch gar nicht.

Es ist ja nun so, dass ich beruflich ganz arg viel mit Einkaufen zu tun habe. Und so grob Bescheid weiß. Die Begründung, warum aus der Anfrage gleich eine Bestellung wurde, war mir neu. Ich hörte auf, mich zu wundern. Innerbetrieblich war ich ja eh schon lange im Modus „Habenwill, das Ding“.

Warum noch lange rumentscheiden. Als Lieferzeit wurde 2-3 Wochen angegeben und ich wartete so vor mich hin. Was bekommen ist ja toll, bezahlen muss man dann meistens doch irgendwann. Die vorweihnachtliche E-Mail, die ich noch bekam, enthielt auch schon die Rechnung. Da wollte ich mich rechtzeitig kümmern, wie ich denn zahlen soll. Ich verfasste eine anfragende E-Mail, die nach lediglich relativ geringer Wartezeit dergestalt beantwortet wurde, dass mein System doch schon ausgeliefert sei. Nämlich am 22. Dezember.

Öhm? Da fiel mir jetzt doch der Kugelschreiber vom Ohr. An just diesem Tag erfuhr ich ja, dass das System nun in Produktion gehen würde. Ich kann es also noch garnienichtniemals erhalten haben.

Kommunikationskanal auf, telefoniert und ja, das war natürlich ein Fehler. Aber, es würden Zeichen und Wunder geschehen und Ende KW 3 würde das Paket an mich rausgehen.

Am Samstag war Abends noch nichts da, ich war leicht enttäuscht. Ich wollte das Ding jetzt haben. Menno.

Montag ans Telefon und: Das Paket ist am Freitag zwar verschickt worden, der Paketdienstleister (der faule Hund, muss ich schon mal so sagen) lieferte aber nicht aus. Weil, nämlich… Mein Lieferant hat die Hausnummer nicht auf’s Paket gemalt. Und dann geht natürlich gar nix, in einer Straße, die keine 200 Meter lang ist und aus 8 Häusern besteht.

Was soll ich sagen, am Dienstag, den 24. Jänner im Jahre des Herrn 2012 kam ich müde und abgeschlagen nach Hause und erblickte das da:

Äh, Mist. Das sind ja die zwo, von vorhin. Hab‘ ich mich doch glatt in die falsche Richtung getextet. Ich wollte ja was über die Viecher schreiben. Nicht über lustige Erlebnisse der Paketerstellung und Zustellung.

OK, nochmal. Ich erblickte das da:

Hübsch, gell. Na ja, muss man halt dochmal das Messer holen und weiter gucken:

Das kann man nicht essen, schade:

Also weiter wühlen und siehe da:

Nicht BSA, nicht BB-HaumichBlau-und-Grün. Das ist geschlumpft. Und zwar g’scheid. Sowas fällt halt einem Schweizer ein. Respekt.

Das hier braucht man, damit der Schlumpf schlumpft. Muss ich leider wieder zurück schicken. Das Ding alleine macht ja schon Spaß.

Besitzerstolz machte sich breit. Mit dem Schlumpf unterm Arm zur besten Ehefrau von allen und ebendiese von ihrem Krimi losgeeist. Dreh‘ mal da, drück‘ mal da, guck mal da… Sie: Hä? Das ist ja ein Bescheisserlesdings.

Da lag ich dann vor Lachen unterm Tisch. Volltreffer von Madame.

Meine abendliche Abgeschlagenheit war wie weggeblasen, Töchterchen im Bett, Frau verschlang ein Buch, die Viecher würdigten mich keines Blickes – ab in den Keller. Mal sehen…

Zunächst mal alles auspacken, rauszufinden, wofür es gut sein könnte. Handbuch im Web saugen? Ach was, woher denn, das geht auch so. Wie immer halt. Voll auf die Zwölf. Ansonsten, das Buch der Bücher findet sich hier.

hier

Wo ist die Drehmomentratsche? Ah ja… Der Knebel? Auch da. Der GPX-Abzieher? Da isser, noch verpackt. 8er Inbus? Jawoll. 15er Gabel-/Ringschlüssel? Hier! Kettennieter? Yes! Kurbelabzieher inkl. Octalink-Stempel? Gruschtel, räum‘, such. Puh. Da isser. 24er Gabel-/Ring? Juhu! 4-Kilo-Bello? Aber Hallo! Gummihammer? Da simmer dabei. Fett? In den Haaren. 14er Nuß? Mampf. Ne Kette? OK, nicht die von Frauchen. Nehmen wir halt die billige aus der Kiste. Ritzel? Ganzer Karton voll. Nutschlüssel und Kettenpeitsche – da!, Gewindestab, Holzscheiben, Muttern und Scheiben? Hä? Für was denn das?

Die Werkbank war voll. Jetzt fehlte noch das zu beschlumpfende Objekt. Hielt sich versteckt hinter der Waschmaschine. Aber so ein 29er ist halt doch relativ schnell gefunden und ans Licht gezerrt.

Es geht los. Demontage.

– Pedale weg (15er Maul und Gummihammer)
– Kurbel links weg (8er Inbus und Abzieher inkl. Stempel)
– GPX-Lagerschale links raus (GPX-Abzieher, 24er Ring und gib ihm)
– Kurbel rechts weg (siehe oben)
– Achse nach links raus
– GPX-Lagerschale rechts raus – tja… Hier also der Grund für den Einsatz für Gewindestab, Holzscheiben usw. sowie dem kleinen Bello. Nur rohe Gewalt führte zum Ziel. Töchterchen ist nicht aufgewacht, Frau schaute aber nach dem Rechten.
– Kette weg (Nietdrücker)
– Hinterrad raus (15er Ring)
– Ritzel runter (Nutschlüssel und Kettenpeitsche)

15 Minuten. Wenig Aufwand für die Tatsache, dass die rechte Lagerschale ne Spezialbehandlung brauchte.

Der Fräser ist selbsterklärend, etwas Öl auf die Schneiden und dann eingespannt und mit dem 24er Ring in Bewegung versetzt.

5 Minuten inkl. Reinigung des Fräsers. Schönes Werkzeug.

Tretlagerhülse reinigen und alles fettfrei machen.

Also, alles vorbereitet zum verschlumpfen.

– linken Schaltknopf von Achse entfernen (1,5 mm Bit)
– Kurbelmutter abdrehen (von Hand)
– Getriebe von rechts rein und kontrollieren, wie der Alukonus mit der Fase passt – 100%ig
– Nutmutter handwarm eindrehen (Rechtsgewinde beim speed-drive), kontrollieren, wie die beiden Flächen Mutter und Tretlager passen – 100%ig
– Nutmutter richtig festziehen (Steckschlüssel, Dremomentratsche, 140-160 Nm)
– linken Kurbelarm aufziehen (Dremomentratsche, 14er Nuß, 50-55 Nm)
– Schaltknopf links befestigen/justieren (1,5 mm Bit, Haltewerkzeug Knopf, Fingerspitzengefühl und unbedingt Orientierung an der Anleitung!)
– Pedale montieren (15er Maul, Fett)

Schlussendlich halt noch ein geeignetes Ritzel montieren, Kette aufziehen und…

…Probefahrt!

Nee, nicht gleich. Erstmal Trockentest im Keller. Schalten mit dem Daumen, kurbeln mit der Hand, schauen, wie das alles so passt.

Erkenntnisse:

1. Eine breite Kette (KMC, Einfach) reibt am Hosenschutzring, wenn die Kettenlinie nicht ganz exakt passt. Vorne sind es 47 mm, hinten derer 50 mm. D.h., hier wird umgebaut. Hosenschutzring weg, Kettenblatt nach aussen setzen (dann dürfte vorne etwas mehr als 50 mm erreicht sein) und hinten ggf. mit einem schmalen Spacer dann exakt anpassen – es ist noch genug Platz auf der Nabe für solche Änderungen.

2. Schalten geht super.

3. Linker Kurbelarm steht näher am Hinterbau als der rechte (Abstand zur linken Kettenstrebe etwa 11 mm, auf der rechten Seite knapp 20 mm), deutlicher Unterschied. Vermutlich werde ich dies beim Fahren nicht merken, aber optisch fällt es auf. Die Kurbelschraube links ist keine Inbus-Schraube sondern eine Sechskant und hat nicht arg viel Fleisch. Das Festziehen mit der Ratsche und um die 50 Nm war schwierig (Gefahr: Abrutschen der Ratsche), deswegen bin ich dann nochmal auf den Knebel (also nicht Dremo) und Nuß ausgewichen. Die Nuß läßt sich auf dem Knebel mittig plazieren. Wenn das Rad am Boden liegt, kann man beidhändig Druck ausüben und das Abrutschen verhindern. Bin mir dennoch nicht sicher, ob die linke Kurbel gut sitzt, vom Vierkant der Achse sieht man noch was. Andererseits, noch weiter aufziehen (falls das überhaupt noch geht) führt zu noch mehr Asymetrie.

Links und rechts die Abstände:

4. Das Kettenblatt (34t, Innenmontage am 110er Lochkreis) geht gerade noch an der rechten Kettenstrebe vorbei. Das ändert sich aber, wenn ich die Kettenlinie etwas nach aussen verlege.

5. In Fahrtrichtung/Umlaufrichtung hat das System leichtes Spiel. Das muss aber so sein, laut Hersteller. Axial darf hingegen kein Spiel auftreten (ist bei mir auch nicht der Fall).

6. Mir fiel auf, dass die Lagereinstellschraube links von der Nutmutter bündig verdeckt wird. D.h., ein evtl. auftretendes axiales Lagerspiel kann nicht weggestellt werden, ohne Ausbau des Getriebes. Hierzu habe ich die o.g. Anleitung untersucht, aber nichts gefunden, was auf die Ursache dieser Konstellation hindeutet.

OK, jetzt aber doch Probefahrt.

Turnschuhe auf SPD-Pedal und siehe da, das geht sauberst zu schalten. Mit Schuhgröße 45 (MTB-Latschen hat dann 47) ist es auch eingeklickt kein Problem, den Knopf zu drücken.

Übersetzung?

Jetzt im Test 34/19. So, wie es aussieht, ist hinten ein 20er oder evtl. 21er nötig. Denn 34t im direkten Gang entsprechen übersetzt mächtigen 56t. Und 56/19 ist zu dick für den Überlandbetrieb. Einen Hügel möchte ich damit schon auch noch hoch kommen.

Vergleich mit früher und was lernen wir daraus? So ziemlich nix:

Bisher: 32/18. 100 rpm entsprechen 25,1 km/h. 34/19 ist minimal dicker gekettet (25,2 km/h).

34/21 bei 100 rpm: 22,8 km/h oder gute 9% weniger als das bisherig gewohnte. Wäre im Gelände wohl ganz gut einsetzbar, etwas mehr Kletterfähigkeit. Allerdings treten sich 30 km/h und weniger dann immer noch nicht gepflegt und rund auf Teer (80 rpm und weniger liegen dann an), bei dem vielen Gummi, der auf dem 29er montiert ist, macht das keinen Spaß. Im Gelände nicht schlimm, da kann ich aufstehen und drücken, auf Überlandfahrten will ich doch gediegen sitzen bleiben und lockerer pedalieren.

Spinnerei, weil ich ein 24er daheim liegen habe, was momentan keinen Einsatz hat:

Extreme Überlegung: 34/24 ketten. Warum? 32/18 bedeutet bei 35-40 rpm (die ich noch sicher treten kann, dies kommt häufiger vor, als mir lieb ist) 9-10 km/h. Mit 34/24 bekomme ich diese Geschwindigkeit im langen Gang (was 56/24 wäre) mit 30-35 rpm gerade noch so getreten, bei guter Traktion und vorhandener Erholung und jede Menge Motivation.

Soll heissen, wenn ich das System auf den langen Gang hin konfiguriere, ergäbe sich zur Drehzahlbandbreite von 30 bis 110 rpm ein Geschwindigkeitsband von 10 bis 36 km/h. Die auf Asphalt gerne gefahrenen 100 rpm wären dann 33km/h, was ziemlich analog zu meinen Straßenrädern ist.

Eher geländetypische Drehzahlen von 50 bis 80 rpm entsprechen 16 bis 26 km/h.

Der direkte Gang (34/24) bedeutet dann für 30 bis 110 rpm eben 6 bis 22 km/h. Im typischen Drehzahlbereich (Gelände) 50 bis 80 rpm sind es dann 10 bis 16 km/h.

Das heißt, der direkte Gang bringt mir extreme Kletterfähigkeit (Den Bereich von 6-10 km/h kannte ich bisher nicht) und typische 10 bis 16 km/h für normalere Anstiege. Kurze Flachpassagen kann ich damit auch noch ausdrehen, muss es aber nicht. Der Schaltpunkt bei ungefähr 16 km/h bedeutet, dass ich von 80 auf 50 rpm zurück falle und dann bis 26 km/h sauber am Gas hänge bis etwa 26 km/h. Alles darüber hinaus ist dann für Überführungsfahrten oder schnellere Abfahrten, die ich mittreten möchte.

Theoretische Nachteile dieser Konfiguration: Ein nicht unerheblicher Anteil, möglicherweise sogar mehr als 50%, einer typischen Geländetour in der hiesigen Gegend würde ich im langen Gang absolvieren. Das bedeutet (angeblich, ich weiß es ja noch nicht) etwas Geräusch aus dem Getriebe und etwas Verlustleistung ggü. dem direkten Gang.

Allerdings, würde ich den Antriebsstrang so aufbauen, dass ich nahezu 100% der Geländeanforderungen mit dem direkten Gang abdecke, dann ist der lange Gang in keinster Weise sinnvoll zu treten und ich hätte mir das Projekt sparen können.

34/24 könnte funktionieren. Testen, testen, testen.

Umgebaut habe ich schon, eine kurze Fahrt auch absolviert. Kurzum, die Idee ist gut, beide Gänge fühlen sich reaktiv und satt an im jeweiligen Einsatzbereich. Durch Demontage des Hosenschutzrings und Versetzen des Kettenblatts nach aussen ergibt sich nun eine weniger brave Optik, das Geschabe ist weg und die Kettenlinie ist ebenfalls optimiert.

Hier noch ein paar (schlechte, da im Haus entstandene) Bilder:

Nur das Getriebe:

Das Ritzel, kein reinrassiges ssp, aber mit breitem Fuß. Gelegentlich suche ich mir eines aus der Kategorie rock solid. Mir ist nicht bekannt, wie lange mich das Dingelchen aushält.

Der Antrieb, wie er meinen Vorstellungen entspricht:

Und hier noch eine Gesamtansicht vom kompletten Rad:

Zumindest dieses Bild wird bei besseren Foto-Bedingungen aber noch ersetzt. Das hat das Rad so nicht verdient.

Hier noch Winterbilder aus der Saison 2010/2011 bei wunderbarem Schnee:

Der rote Rahmen bekommt ebenfalls noch die Vorbereitung für die Verschlumpfung. Möglicherweise möchte ich mal umbauen. Das On-One läuft fixed, da wäre der Schlumpf-Einsatz auch nicht unpraktisch.

Nochmal zur Verschlumpfung eines Rahmens: Eine so vorbereite Tretlagerhülse ist ggf. später natürlich immer noch mit z.B. einem BSA-Lager (oder ITA, oder…) nutzbar, wenn die Gewinde nachgeschnitten werden. Durch das Anfasen mit dem Fräser geht halt der erste Gewindegang „kaputt“ aber mehr ist da dann auch schon nicht.

Und zur Montageidee des Hr. Schlumpf an sich: Auf einem der obigen Auspackbildersiehst man die Getriebe“scheibe“ mit dem Innenlager und im Übergang von Achse zu dieser Scheibe einen Alukonus. Der hat 45°. Auf der Anderen Seite ist eine mächtige, brachial robuste Hülsenmutter. Die hat auch diesen Konus, nur eingearbeitet und aus Stahl. So, jetzt steckt man das Getriebe rechts rein, der Alukonus liegt satt auf der Fase auf. Keine Verschraubung mit dem z.B. BSA-Gewinde, nur Zentrierung durch den Konus und durch den Umstand, dass Stahl (Getriebe), Konus (Alu) und wiederum Stahl (der Rahmen) quasi durch das Festziehen der linken Hülsenmutter mit 140-160 Nm (Radmuttern vom Auto macht man nicht so fest, glaube ich) auf der linken Seiter ebenso Zentrierung erfolgt und eben Verpressung des Sandwichs auf der rechten Seite gegen den Rahmen/das Tretlagerrohr erfolgt, hält das verdrehsicher das eingeleitete Drehmoment aus. Mit der Methode muss das Getriebe nicht, wie z.B. eine Dreigangnabe, am Rahmen mit einem Drehmomentarm abgestützt werden.

Zunächst mal FIN/ENDE/END/EOF

Griechenland/Lefkas Sommer 2011

Tagebuch vom Familienurlaub auf Lefkas (eine der ionischen Inseln) mit Freunden und Bekannten. Für mich erstmals Griechenland bei schönem Wetter und einem Fahrrad im Gepäck.

Die Anreise teilten wir auf, erster Tag ca. 1.000 km bis nach Fano (ca. 50 km vor Ancona, dort eine wilde Übernachtung Freitag auf Samstag) und am zweiten Tag nach Ancona und mit Superfast Ferries nach Igoumenitsa.

Ankunft in Igoumenitsa Sonntag morgens gegen Neun Uhr.

Treffen mit einer weiteren Familie und gemeinsamer Besuch des Acharon-Tals (Springs of Acharon) inklusive der sehr spektakulären Flußwanderung. Der Fluß hat 5-10° C und man ist von wadentief bis gegen die Strömung schwimmend unterwegs. Man gewöhnt sich dran, aber nach etwas mehr als einer Stunde war ich deutlich unterkühlt, trotz Lufttemperaturen um die 30° C.

(Irgendwelche ital. Touristen, die schauen alle so aus.)

Im Anschluß daran Besuch der Taverne direkt am Fluß und Weiterreise Richtung Lefkas. Es sind nur noch gute 80 km, aber der Zielcampingsplatz kann uns heute nicht mehr aufnehmen, daher Zwischenstop bei Kanali und Badenachmittag am Strand und Genuß des wunderbar warmen Wassers. Gleich neben unserem Parkplatz finden wir eine Taverne, wir essen dort und bleiben zum Übernachten dort stehen.
Am nächsten Tag (Montag) nochmal ein halber Strandtag:

Ab Montag Mittag Weiterfahrt nach Lefkas und der schweißtreibende Bezug des Campingplatzes Dessimi Beach in der Nähe der Orte Vlicho und Nidri.

Die gefahrenen Touren:

Dienstag 9.8.2011: 61.5 km mit 1.270 hm

Start in Nidri, Querung der Insel nördlich des Profitis Ilias (höchster Punkt der Tour ca. 950 m ü. NN) bzw. des Wasserfalls von Nidri und Umrundung des Berges. Fährt man die Abfahrt von Englouvi aus bei anderer Gelegenheit als Auffahrt, so wird man feststellen, dass dies die schöner zu fahrende Version ist, es sind keine Wellen/Gegenanstiege enthalten. Gleiches gilt für den Vergleich hinsichtlich der Abfahrt, auf der südlichen Version kann man es doch beruhigter laufen lassen – dennoch, Vorsicht und dort erstmal Streckenkenntnis erlangen.

Wer in GR die Kurve nicht kriegt und zu den Engelchen fliegt, der hat dann so nen Gedenk“stein“. Bei uns sind es die Holzkreuze, hier Häuschen auf Stahldraht oder eben in schön gemauert, wie hier zu sehen:

Einer der ersten Sonnenaufgänge:

Die Nato hockt(e) auch auf der Insel, weithin sichtbarere Orientierungspunkt:

(der rechte Berg ist der Profitis Ilias, oben befindet sich eine Kapelle)

Spinnen und deren Netze haben eine imposante Größe, permanent zerreisst man die schmalen Straßen querende Spinnfäden. Sehr klebrige Angelegenheit, mitunter…

Mittwoch 10.8.2011: 68 km mit 1.460 hm

Startpunkt Nidri, teilweise identische Auffahrt zur Abfahrt vom Vortag. Vor Englouvi wird ein Trockenbach gequert, hier Schotter. Hochpunkt wiederum der Profitis Ilias und Wechsel auf die andere Inselseite mit ganz anderem Wetter:

Weiter geht es südlich nach Vasilikis, der Rückweg erfolgt auf der Küstenstraße.

Donnerstag 11.8.2011: 66.5 km mit 1.500 hm

Start in Vlicho, Küstenstraße Richtung Vasilikis bis Abzweigung nach Sivros. Talquerung nördlich Vasilikis durch wunderbare Olivenhaine. Teilweise verstecken sich dort sehr steile Himmelsleitern. 39/26 reicht gerade noch aus. Ziel Agios Petros an der Küstenstraße. Fahrtrichtung nach Norden und dann den unbeschilderten Abzweig suchen nach Dragano und Abstecher zum Strand unterhalb Athano:

Das Bild wurde auf ca. 260 m ü.NN gemacht, wer ganz runter fährt darf sich dann auf Neigungen um die 20% einstellen. Weder runter noch rauf machen dann noch Spaß. Die ein paar Tage später dort absolvierte Fahrt mit dem Kleinwagen war ein Erlebnis. Wohnmobilisten, die sich dort mit einem Fronttriebler runtertrauen, dürften bergwärts herbe Probleme zu bewältigen haben. Aber, es geht…

Hochpunkt ca. 570 m ü.NN. Rückweg bis Agios Petros identisch oder alternativ weiter nördlich, dann nach Vasilikis und die Küstenstraße zurück.

Freitag 12.8.2011: 61.5 km mit 1.270 hm

Vlicho Richtung Nidri bis Abzweig Kalithea. Auffahrt nach Agios Ilias (10 km, 680 hm), höchster Punkt 700 m ü.NN. Abfahrt in den Ort auf Schotter/Beton und unglaublich steil. Nach der kurvenreichen Durchquerung beginnt eine 6 km lange Abfahrt (430 hm) mit 33 Kehren bis zur Küstenstraße. Rückweg nach Vlicho mit Abstecher in Paliofournes an den schönen Strand.

Etwas weiter links vom Bild gibt es übrigens noch ne Bucht, die genau für eine Handvoll Leute passt. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Samstag 13.8.2011: 58 km mit 1.290 hm

Nach der Gewöhnung an die Sommertemperaturen ging es um die Mittagszeit auf den Berg Pirgos (1.157 m ü.NN). Dies ist der höchste anfahrbare Punkt der Insel. Absolut gesehen der zweithöchste Berg der Insel.

Von Vlicho nach Nidri bis zum Abzweig Wasserfall von Nidri. Hier beginnt die ca. 20 km lange Auffahrt über Richi, Vafkeri und Englouvi (der o.g. Schotterabschnitt kann auch umfahren werden, was ich hier auch gemacht habe) auf den Pirgos. Die Hochebene und die karge Berglandschaft ab ca. 900 m ü.NN ist bemerkenswert. Ebenso die Aussicht vom Hochpunkt aus.

Blick nach Norden, Lefkas Stadt, Lagune von Lefkas:

Blick nach Süden, Bucht von Vasiliki:

Die Abfahrt ist bis kurz vor Vafkeri identisch, dann auf der Variante über Platistoma wieder zurück nach Nidri.

Sonntag 14.8.2011: 62.5 km mit 1.480 hm

Der Pirgos kann auch aus Richtung Vasiliki bezwungen werden. Hierzu auf der Küstenstraße von Vlicho bis Kontarena fahren, etwa 2.5 km weiter zweigt die Straße nach Sivros ab. Bald kommt die erste der 33 Kehren bis nach Agios Ilias. Die Strecke läßt sich mit durchschnittlich 5-6% angenehm klettern. In Agios Ilias muss man aufpassen, den Ort nordwestlich beim Friedhof zu verlassen. Man fährt auf einem Stück Schotterweg und Beton, ebenfalls heftig steil. Aber sicherlich nicht so schlimm wie wenn die Abfahrt vom 12.8. als Anstieg zu bewältigen wäre.

Nach einer Rechtskurve befährt man eine recht neue Straße bis hoch auf etwa 1000 m ü.NN. Die ab hier noch etwa 400 zu absolvierenden hm haben es richtig in sich. Mit 39/26 tut man sich eigentlich keinen Gefallen.

Die Straße mündet in die Auffahrt zum Pirgos ein. Hier standen dann morgens um halb Sieben die Ziegen rum:

Nach rechts fahrend fehlen ca. 150 hm bis zum Hochpunkt, nach links fährt man ab und kann sich von der Tour 13.8. inspirieren lassen, wie man Nidri wieder anfahren kann.

Montag 15.8.2011: 40 km mit 730 hm

Start in Vlicho und auf der Küstenstraße Richtung Norden. In Kariotes Beginn der Auffahrt nach Sfakiotes und Karia mit wunderbaren Ausblick auf das Festland und die Hochebene mit dem künstlichen See. Die Orte Karia und Vafkeri markieren mit jeweils ca. 500 m ü.NN die Hochpunkte der Tour. Die Abfahrt kann, wie schon erklärt, variabel gestaltet werden, wenn man eine relativ kurze Tour (ca. 40 km) fahren möchte.

Die Tour war u.a. deswegen so kurz, weil ich ein Mietauto abgeholt hatte. Am Nachmittag Besuch der Heremitage von Lefkas, bin ich morgens schon vorbei geradelt:

Karia ist ein schönes, zentral gelegenes Örtchen, man erreicht bzw. streift es bei vielen Varianten und der Dorfplatz ist das blühende Leben, zur Mittagszeit. Eine schöne Mischung aus Einheimischen und Urlaubern trifft sich dort und ißt uns feiert:

Dienstag 16.8.2011: 51 km mit 870 hm

Start in Vlicho und auf der Küstenstraße Richtung Norden. In Nikiana Beginn der Auffahrt bis kurz vor Kolivata. Wunderbare Blicke Richtung Festland tun sich auf:

Nach kurzer Wegstrecke beginnt eine Schotterpiste, die sich zwischen 500 bis 600 m ü.NN bewegt und einen Bauernhof durchquert.

Achtung, pflichtbewusste Hunde. Im gesamten Berghang Kühe.

Auf der Höhe alte Eichenwälder und wiederum wunderbare Ausblicke in alle Richtungen, unter anderem auf Skorpios und die Bucht von Vlicho:

Die Abfahrt von ca. 600 m ü.NN (höchster Punkt der Tour) hinunter auf 250 m ü.NN ist sehr steil und für ein Crossrad kein Spaß. Auf halber Strecke Platistoma – Perigiali biegt man in die bereits bekannte Straße zur Küste ein und kehrt zum Ausgangspunkt zurück.

Nicht nur ich hatte Durst:

Mittwoch 17.8.2011: 58 km und 1.330 km

Start in Vlicho und dann auf der Küstenstraße Richtung Norden. In Perigiali links hoch und dann rechts halten. Man bewegt sich langsam am Berghang ansteigend parallel zur Küste weiter nördlich. Beginn der tatsächlichen Auffahrt mit einem Paukenschlag gleich nach dem Basketballplatz von Nikiana. Nach etwa 300 hm erreicht man Kolivata und ein herrlicher Blick über die Hochebene und das Gebirge bietet sich.

Weiter über Platistoma, Karia und Englouvi erreicht man die Hochebene von Agios Donatos und damit den Hochpunkt von über 900 m ü.NN. Die Rückkehr zum Startpunkt wie folgt: Abfahrt Chortata, Manasi, Nikolis, Sivros, Vlicho.

Donnerstag 18.8.2011: 61 km mit 950 hm

Letzte Tour des Urlaubs. Hierfür ist dann doch ein MTB erforderlich, wenn man einige hundert hm auf grobem Schotter fahrend und schwer schnaufend bewältigen will.

Vlicho – Neochori geht normal zu fahren, danach Beton, dann Schotter bis auf grob 700 m ü.NN. Man schiebt etwa eine gute halbe Stunde.

Die nächste Straße hält man sich links und fährt nach Englouvi. Ab dort wieder alles möglich, siehe die anderen Beschreibungen. Ich bin abgefahren und zwar die südliche „Wasserfallabfahrt“ wegen der besseren Kurvenführung.

Hochpunkt 740 m ü.NN Nähe Englouvi.

Fazit zur Insel

Zurückgelegte ca. 600 km mit etwa 13.000 hm sprechen eine deutliche Sprache:

Es macht Spaß, auf diesem Flecken Erde Rad zu fahren. Auch mehrfach befahrene Streckenabschnitte wirken immer wieder anders bzw. man verlagert seinen Fokus von vorsichtig tastend, was das Abfahren angeht mit der Zeit hin zu möglichst flüssigem Fahren, im Rahmen der jeweils gegebenen Umstände. Und, einen Fotoapparat sollte man unbedingt mitnehmen.

Die schönere Seite scheint mir die Ostküste zu sein. Nidri bietet sich hier als Basis regelrecht an. Freilich hat die Westküste die imposanten Strände, im Süden Vasiliki mit seinem Surferparadies einen sportiven Flair, im Norden sind die Kitesurfer vor Lefkas usw.

Aber, der Osten: Unglaubliche Fernblicke aufs Festland, kleine und einsame Badestellen, ruhige See und vor allem ist die radsportliche Basis auf Meereshöhe und man kann sich auf der Küstenstraße erstmal einfahren bzw. etwas sanfter ins Klettern einsteigen. Im Westen muss der, der eine Tour beginnt sofort aus dem Stand mitunter fünf und mehr km mit zweistelligen Steigungen absolvieren, bevor die Runde so richtig beginnen kann. Selbst die Küstenstraße ist dort mit erheblichen Steigungen und herben Rampen gespickt.

Und nicht zuletzt: Wer morgens fährt, sieht im Osten Sonnenaufgänge satt und einige Zeit eher als der Westler. Im Westen dann noch viel Wind, der den Osten überhaupt nicht erreicht. Und kühl ist es morgens obendrein, während im Osten schon vorsichtige Wärme entsteht.

Radsport, Infos

Strassen: Im Inselzentrum sehr schmal (eine oder eineinhalb Autobreite/n) und steil bis extrem steil (Verhältnis 1:30 Strecke:Höhe ist normal, 1:50 kommt auch vor).

Belag von sehr ordentlich bis extrem schlecht: Bachfurten, Sand in den Kurven, Steinbrocken, Steinschlag, Längsrillen, Abbrüche, in der Regel keine gute Randabsicherung.

Verkehr: In der Zeit zwischen 5 und 9 Uhr so gut wie kein Verkehr im Inselinneren. Die Küstenstraße ist ab den frühen Morgenstunden lebhaft befahren von Einheimischen. Auch wenn Strassen leer sind, nicht aufhören mit Konzentration zu fahren! Immer mit dem Unmöglichen rechnen. Fahrräder mit Einheimischen drauf sind grundsätzlich unbeleuchtet und kommen in Ortschaften gerne als Geisterfahrer daher, Moppeds fahren meist auf der griechischen Version der Ideallinie, also überall und in jeder Richtung. Autofahrer sind oft harmlos – wenn sie geradeaus fahren, in Kurven und Kreuzungen aber unberechenbar. Geparkt bzw. angehalten wird überall. Soll heißen: Autos stehen auf Bergstraßen in der unübersichtlichen Kurve auf der falschen Seite. Macht der Einheimische den Warnblinker an – alles ist dann möglich. Als Radfahrer sollte man dann arg vorsichtig sein.

Viele Italiener machen auf der Insel Ferien. Thema für sich, nicht nur, was Autofahrer angeht…

Tiere sind freilaufend. Ziegen, Schafe, Pferde und Esel finden sich wie in den Alpen auch auf den Strassen. Die Schafe werden von einem oder zwei Hütehunden beschützt, die mit Vorsicht zu genießen sind, wenn der Schäfer nicht in der Nähe ist.

Hunde in Ortschaften schlagen beim kleinsten, ihnen unbekannten Geräusch an. Als Radfahrer frühmorgens um z.B. 6 Uhr kann man so mit Leichtigkeit eine ganze Ortschaft wecken (lassen) .

Temperatur im ersten Drittel des August: Morgens um die 20 Grad, kurz-kurz genügt auch in 1000 m Höhe oft. In der Sonne nach 9 Uhr nicht mehr angenehm. Nachmittags nicht für Radsport empfehlenswert, i.d.R. mehr als 30 Grad und aufgheizter Asphalt bzw. Felsen.

Ab Mitte August werden die Morgenstunden merklich frischer, Armlinge sind für die längeren Abfahrten sinnvoll.

Wind und Luftfeuchtigkeit: Generell trockene Luft. wenig Wind am Morgen und Auffrischend ab Mittag. Aber kaum störend beim Radfahren, da man viel im „Wald“ bzw. in Bergfalten unterwegs sein kann. Es gibt auch windige Tage, die keinen rechten Spaß machen. Die Luft ist kühl und Armlinge dann zeitweise hilfreich.

Durch das bergige Terrain bedingt kann die Zeitplanung für Runden mit ca. 17-21 km/h erfolgen. Die beschriebenen Touren dauern zwischen 2:15 und 3:45 Stunden.

Wasser nachfassen: Am besten jemanden um Trinkwasser bitten. Die wenigen Brunnen sind oft als nicht trinkbar gekennzeichnet. Der Brunnen unterhalb von Sivros ist definitiv in Ordnung, die Einheimischen füllen hier ihre Trinkflaschen auf dem Weg zur Arbeit mit Wasser. Sivros selbst ist mit Wassergräben versehen, die aus dem Gebirge gespeist werden. Leitungswasser ist nicht immer i.O., eine Mitreisende hatte sich drei Tage lang übelst damit auseinander setzen müssen.

An der Küstenstraße gibt es einen Trinkwasserbrunnen bei Paliofournes.

Streckennetz: Viel dichter als es die spärlichen Karten vermuten lassen. Auf Lefkas kann man eine gute Karte 1:40.000 kaufen, inkl. Höhenlinien.

Für Garmin GPSr gibt es eine Karte „Euro Greece v9.12“, die durch Höhenlinien glänzt, aber wenig detailliert Straßen aufweist.

Die OSM-EU ist, was Lefkas angeht, so gut wie leer.

Auf Androiden bekommt man eine zufriedenstellende Lösung mit oruxmaps und MOBAC. Hiermit können offline-Karten dargestellt und erzeugt werden. Wenn man eine ältere Version von MOBAC verwendet, so können recht gute Kartenausschnitte vom Web abgezogen werden. Die Kartendarstellungen bei den Tourenbeschreibungen sind Screenshots von Oruxmaps unter Froyo 2.2.2 auf Basis von Google Maps Terrain.

Die Kombination aus der Papierkarte, dem Garmin und der Smartfone-Software bietet robuste Planung und störungsfreie Orientierung unterwegs.

Manchmal erlebt man Überraschungen und muss seine Streckenplanung ggf. spontan umwerfen: Schotter wird zu Asphalt und den erwarteten Asphalt gibt es nicht.

Im Städtchen Lefkas gibt es mindestens ein Radgeschäft, was dort möglich ist, weiß ich aber nicht.

Der letzte Blick zurück auf’s Meer…

Ötztal-Wochenende 15. bis 17.07.2011

Nachdem der eigentliche Termin für den F-Ötzi wg. schlechtem Wetter verschoben wurde, ergab es sich, dass der Ausweichtermin mit einem Tag Resturlaub und einem von der Familie gemehmigten „Papa-ist-nicht-da-Wochenende“ zusammenfiel. Das nennt man dann wohl Glück.

Das Wetter war zwar auch für dieses Wochenende als ne recht halbseidene Angelegenheit prognostiziert, aber mei, was willste machen…

Im Laufe der Woche habe ich meine sieben Sachen gepackt, das Wohnmobil beladen und mich am Freitag in der Früh nach einem noch sehr unangenehmen Termin beim Tierarzt (nein, keine Doping-Mittelchen für mich) kurz nach neun Uhr auf den Weg gemacht.

Bis Füssen ging die Fahrt normal, trotz viel Verkehr. Aber wenig LKW, kaum Baustellen und so kommt ein Wohnmobil auch so leidlich voran. Die letzten 95 km waren sehr ätzend. Der Fernpass war komplett verstopft, eine ganze Stunde kostete das Nerven. Nach etwa sechs Stunden Fahrzeit dann die ersehnte Ankunft in Längenfeld.

Meinen ursprünglichen Plan, am Freitag noch auf’s Hahntennjoch zu radeln, begrub ich ganz schnell. Zum Einen war es schon zu spät und viel entscheidender, der Verkehr auf der Ötztal-Bundesstraße bzw. auch schon rund um Imst war einfach brutal. Das wäre nichts für mich Landei geworden.

Der Campingplatz in Längenfeld ist ein Gedicht, direkt zwischen Therme und Freibad gelegen, ganz ruhig, wenn man mal das Rauschen der Gurgler Ache, die hinterm Camping ihren Weg nimmt, ignoriert. Und das „schschschschschscht—Klack“ der Schübe der Damen und Herren, die ihr Sommer-Eisstock-Turnier austrugen. Und das Geschrei der Fans des VfB Stuttgart, der just an diesen Tagen auf dem Sportplatz neberm Camping sein Trainingslager abhielt. Wahnsinn, was da los war. Ist doch nur Fußball…

OK, Fuhrwerk installiert, gegen 16:30 Uhr war ich abradelbereit, Richtung Süden.

A) Freitag, Vorbelastung Timmelsjoch (bzw. Hochgurgel) von Längenfeld aus

Ich wählte das weiße Rennrad, was definitiv ein teurer Fehler war, aber später mehr.

An die Bundesstraße bzw. den Verkehr konnte ich mich langsam gewöhnen. Aber nicht an das Wolkenbild. Es war noch recht mild, aber es sah bedrohlich aus. Langfingerhandschuhe und die Regenjacke steckten im dicken Trikot. Ab Zwieselstein fing es dann wirklich an zu nieseln, ich fuhr dennoch weiter und wollte schon Richtung Vent, Rofaner Höfe abbiegen (da war ich als Kind mal urlauben mit den Eltern) aber der Einfachheit halber fuhr ich halt doch rauf, Richtung Timmelsjoch.

Meine in Längenfeld gewählte Übersetzung von 49/17 limitierte mich jetzt doch und ich gönnte mir 49/21 für den Aufstieg. Ein, zwei Kehren unterhalb Hochgurgel dann Regen, richtig arg viel Regen. So dass ich mein Unterfangen, bis auf 2.509 m ü.NN zu fahren, etwa einen km vor der Mautstation abbrach und mich für die Abfahrt anzog. Im Schneetreiben muss ich mich nicht tummeln, äh… timmeln…

Innerhalb Sekunden war ich durch und durch nass und die eh schon niedrigen Temperaturen taten ihr Übriges, ich brauchte häufiger die halbe Straße, um meine Zitter-Schlenker auszusteuern. War aber kaum Verkehr mehr zwischen Zwieselstein und Sölden.

Unterhalb von Zwieselstein immer noch alles naß, also hat sich das Dreckswetter richtig ausgebreitet. Meine Hoffnung, dass es wieder abtrocknen würde, wurde nicht erfüllt.

Ein schneller Blick auf’s Ergomo – nix zu sehen, dunkel. Verdammt, abgesoffen. Der seit 2008 tadellos arbeitende Computer also jetzt verreckt. Kein Werkzeug dabei, um ihn am Camping aufzumachen und austrocknen zu lassen. Ergebnis: Defekt. Teure Radtour.

Wenige km vor Längenfeld dann fast Ende mit dem Regen und im Ort selbst kein Tropfen mehr. Immerhin etwas. Ich war völlig durchgefroren und glücklich über die wirklich sehr luxuriösen Duschen. Eine halbe Stunde stand ich bestimmt unter dem heißen Wasser.

Es war dann schon um 20 Uhr, einen Spaziergang zur Therme wollte ich gem. meinen vorgeplanten Aktivitäten eigentlich noch machen, na ja – Wasser hatte ich definitiv genug.

So ging es halt nur bis zum Campingplatz-Imbiss und einer große Currywurst mit Kartoffeln sowie einer Schnitzelsemmel ging es an den Kragen.

Danach Bett, es war 22 Uhr und ich musste am Samstag bereits um 2 Uhr in der Früh wieder aus den Federn. Lediglich vier Stunden Schlaf verschrecken dann sogar mich ein wenig.

B) Samstag, F-Ötzi von Längenfeld und Kematen

Aber, da schau her. Wenige Minuten vor dem Wecker wachte ich von selbst auf. Die Katzenwäsche mit Untermalung durch volkstümliche Radiomusik in nicht unerheblicher Lautstärke war auch was Neues. Die erste Herausforderung des noch jungen Tages.

Dann der Blick zum Himmel, uiiiiii! Es ist ja quasi Vollmond und es ist recht wenig Bewölkung am Himmel. Die Sterne blitzen mich an. Temperatur nicht übel, also reicht U-Hemd, Trikot (leicht), Armlinge, ¾-Hose, Weste und für die Abfahrt nach Ötz die leichte Regenjacke aus.

Aber erst noch das Frühstück. Zweimal großer Milchkaffee, ein halbes Kilo Joghurt mit ner Banane und ein halbes Brötchen mit Frischkäse sowie viel Saftschorle war das erste Frühstück des Tages.

Wg. der Freitags-Kälte packte ich Regenkleidung in den Rucksack und warf das sonstige Zeug, das mir noch nützlich sein könnte, mit dazu. Rucksack-Touren bin ich gewöhnt und wirklich schwer ist das bissl Zeug ja nicht. Dennoch, meinereiner plus den ganzen Kram in Summe auf der Waage, das sind dann halt schon zwei Zentner Systemgewicht.

Um 3:20 Uhr klickte ich ein und nahm nach dem Verlassen der Ortschaft erstmalig dieses sensationelle Naturschauspiel so richtig wahr. Der Vollmond tauchte sämtliche Felsformationen und Flächen in marmorfarbenes, fahles Licht – ich konnte mich kaum satt sehen und war mir sicher, dafür lohnt es sich immer wieder, bald aus den Federn zu klettern.

Nach etwas über 30 Minuten und immerhin einer Handvoll wie narrisch rasender Taxis erreichte ich Ötz und den Abweig ins Kühtai. Die Regenjacke in den Rucksack, ebenso die Handschuhe und nen kleinen Gang aufgelegt. Es geht also los, es wird ernst. Erinnerungen an den ersten F-Ötzi, wo ich in Sölden gestartet bin, werden wach.

Am KT-Aufstieg finde ich zwei Stellen besonders unangenehm, die Steigung im Bereich der letzten Häuser, kurz danach das erste Weidegitter und dann die nächste Viertelstunde. Daran finde ich nix und schon gar keinen Rhythmus. Danach geht es aber und bald kann ich meine Frontleuchte ausschalten und mir den Weg durch den Mond leuchten lassen.

Unbeschreibliche Momente sind das.

Die Strasse präsentiert sich in sehr gutem Zustand, die Kehrengruppe ist komplett modernisiert, das Steilstück hinter Ochsengarten hat seine Galerie fertiggestellt bekommen und es rollt überall gleichmäßig gut. Wenn man das vom bergwärts fahren so sagen kann.

Beim Weidegitter unterhalb des Stausees dann die ersten Kühe, die mich anschauen. Das Vieh weiter unten war noch im Tiefschlaf. Ich unterhalte mich mit den Tieren, wünsche einen guten Morgen. Freundliches Glockengebimmel erfüllt die Luft.

Die Kehren am Stausee sind noch nicht fertig renoviert, so ein bisschen Baustelle nach der Kanalsanierung, so sieht es zumindest aus, ist noch da.

Dann, der Oberhammer schlechthin. Ich schaue über den See und zwischen den vom sanften Morgenrot angeleuchteten Bergriesen steht der Mond. Rund, riesig, leuchtend. Von nichts verdeckt, in ganzer Schönheit. Ich halte kurz an und genieße den Moment.

Oben folgt dann Wasser nachfassen, die feste Regenjacke aus dem Rucksack, Handschuhe wieder an und die kurze Regenhose übergestreift. Dann ab in den Sonnenaufgang.

Vor der ersten Galerie: Weidegitter. Danach auch wieder, dito an der zweiten Galerie. Seitlich auch kein Reinkommen mehr für Kühe, Stahlseile sind gespannt. Ziegen kämen da aber schon noch rein, also vllt. Beim echten Ötzi doch noch ein wenig Obacht geben.

Meine jeweiligen ersten Bremsmanöver quitieren die Scheibenbremsen mit infernialischem Gekreische. Peinlich, um diese Uhrzeit und in dieser Ruhe. Ein Pferd wiehert mich an. OK, danach dann kein Lärm mehr, scheinbar war das nur die Feuchtigkeit.

Ich friere trotz der ausreichenden Kleidung sehr, aber nicht so schlimm, dass ich keine gute Linie fahren kann. Das Abfahren macht mir richtig Spaß, obwohl ich doch verhalten bin, das Thema Wildwechsel ist halt im Kopf immer mit dabei.

Um knapp vor sechs Uhr erreiche ich den Bäcker in Kematen (den unteren, nicht den gleichen Namens im Ortszentrum), es sind für etwas über 40 km zw. Ötz und Kematen genau 2 h vergangen.

Der Bäcker ist dann etwas seltsam, was die Atmosphäre betrifft. Man stelle sich einen McDonalds vor, nur voller Backwaren. Dementsprechend versammelt sich da allerlei Volk. Angetrunkene Disco-Geherinnen (sechs Rühreier pro Person), eine Frau, die in Ruhe ihre Zeitung lesen und ihr Frühstück genießen will, Soldaten und Radfahrer…

Es wird deutlich nach sieben Uhr, bis wir uns nach einem Gruppenfoto auf den Weg machen. Der bei meiner Ankunft noch völlig klare Himmel ist nun dem Morgennebel gewichen, fahles Licht macht sich breit.

Ich habe über eine Stunde in dem Backladen benötigt, um nicht mehr zu frieren. Die ersten 2,5 h des Radtages haben mir richtig zugesetzt. Nur, ich merke es jetzt noch nicht so wirklich, was eher ungünstig ist.

Der Weg bis nach Innsbruck ist gleich erledigt, ich fahre neben Bergauffahrer her und wir palavern und reden, was das Zeug hält.

Die gesamte Brennerauffahrt geht gut mit 46/16, das Wetter ist toll und wir freuen uns tierisch. Der Grossteil der Gruppe trifft sich an der Tankstelle oben, ich rolle ein paar Meter weiter, rechter Hand ist ein Brunnen. Dort trinke ich und fülle eine Flasche nach und esse etwas.

Das Frühstück in Kematen war nix genaues. Zwei Cappu und zwei süße Teilchen. Vor lauter Frieren hatte ich keinen Sinn dafür, mehr zu mir zu nehmen.

Brenner abwärts der übliche Gegenwind, neben der Straße ein neu angelegter Radweg, eine erstaunliche Linienführung wird sichtbar, an mindestens einer Stelle Rückführung auf die Straße (wg. Brückenbauwerk) und ansonsten recht geschwungene, meiner Meinung nach gefährliche Linie. Für eine Rennradgruppe ganz sicher nicht geeignet. Der Strassenverkehr hatte aber auch kein Problem mit uns, in diesem Abschnitt.

In Sterzing wird es dann warm, ich halte kurz vorm Kreisel, der für mich die Jaufen-Auffahrt markiert, an. Wir wechseln Kleidung. Zwo Drittel der Gruppe sind weiter gefahren.

Nach wenigen Pedalumdrehungen im Jaufen weiß ich Bescheid. Debakeltag. Juhu. Naja… Kann man jetzt fleissig drüber sinnieren, warum, wieso, warum.

Ist halt blöd, gerade an so nem Event.

Naepfelchen ist noch hinter mir, es dauert nicht so arg lang, dann hat er mich und ich hänge mich hinten rein und glotze stoisch auf die Hinterradnabe. Dura Ace – Dura Ace – Dura Ace – Dura Ace – … lese ich da. Toll. So meditativ.

Wir fassen Wasser und lassen uns etwas Zeit. Schön, auf dem „Pumpenkopf“ des Brunnens steckt ein Wasserglas. Für die Erfrischung des durstigen Wanderers.

Ich schwitze wie ein Schwein, ich fühle mich unwohl, es ist einfach viel zu warm für mich. Erst zu kalt, dann zu warm. Kann ja in St. Leonhard dann so richtig lustig werden.

Etwa in der Höhe des Jaufenhauses lasse ich Naepfelchen ziehen und trapple die letzten 100 hm so lustlos wie nur irgendwas mit einstelliger Geschwindigkeit vor mich hin. So ne Übersetzung von 33/28 ist schon praktisch, nur – es geht damit nicht voran.

Oben dann für mich was Neues, die Gruppe sitzt rechts am Imbiss in der Sonne. Bislang stoppte ich immer bei dem ein paar Meter weiter befindlichen Etablissement links der Strasse. Der Apfelstrudel war keine Sensation, aber auch weit entfernt von ungenießbar. Eine Packung Kekse sowie eine Cola folgtem dem Teil inklusive Cappu in den Magen. Irgendwie war mir ganz zittrig. Aber das Wetter, perfekt. Dafür lohnt es sich doch auch schon…

Dann die Abfahrt. Jaufen mit Scheibenbremsen am Rad, eine neue Erfahrung für mich, eine absolut gelungene. Das Nachsetzen hinter den vielen Autos ohne Angst um Hitzeplatzer eines Schlauches oder gar wanderndem Schlauchreifen haben zu müssen, alles kein Thema. Das Zeug bremst einfach so schön. Dank der dicken 28-mm-Reifen war die nach wie vor recht schlechte Straße (manche sagen, sie wird immer schlimmer) auch keine Herausforderung.

Unten angekommen Treff am Brunnen, Wasser fassen und kurz schauen, was los ist. Dann leider das unschöne Telefonat. Naepfelchen und sein Sturz und keiner weiß, was los ist. Ein Teil von uns geht was einkaufen, auf dem Parkplatz des Spar-Marktes werden wir von anderen Rennradlern angefragt, ob wir Stefan kennen (also Naepfelchen). So erfahren wir, dass Polizei und Sanitäter unterwegs sind.

Ich muss ganz klar zugeben, ich konnte mit der Situation überhaupt nicht umgehen. Und machte bzw. mache mir auch jetzt noch Gedanken darum. Am quasi ungünstigsten Ort so ein Unfall. Krankenhaus Meran, Fahrrad? Auto steht in Kematen. Am nächsten Tag wieder alles wie immer, die Arbeit, die Familie? Das wird ganz schnell ganz kompliziert – mal unabhängig von den Verletzungen.

Ich bin ernsthaft am Überlegen, ob ich meine langen Alleinfahrten in gänzlich unbekanntem Gebiet überhaupt noch machen soll, aus Verantwortung gegenüber der Familie heraus usw.

Es geht weiter. Ich weiß nicht, wie spät es ist, es ist warm, das nächste Stück bis hinter Moos und die Kehrengruppe hasse ich eh wie nix Gutes und so latsche ich vor mich hin.

Ich hatte mir nen Trinkjoghurt gekauft. Auf den hatte ich jetzt Lust. Die Banane und ne kleine Cola war am Parkplatz schon vernascht. Eine halbe Tüte Gummibärchen ebenso. Kein tolles Mittagsmal.

Also, neben eine Kehre ins Gras gehockt, die Überschuhe (so dünne Zeitfahrteilchen) runter vom Schuh, die Socken runter, barfuß in den Schuh, so liebe ich es. Dann den Joghurt runter und ab durch die Mitte, es kamen nämlich Viecher, Bremsen. Gewitter im Anzug?

Unser Frühaufsteher kam in der Situation, wie ich da so saß, vorbei und bot seine Hilfe an. Nein, ich bin nicht zusammengebrochen, aber es mag so ausgesehen haben, keine Frage. Hilfsangebote sind immer schön.

Ich brauchte ewig und drei Tage (etwa bis zu dem Imbiss, der rechts, bevor dann bald das Flachstück beginnt, erbaut wurde), um ihn wieder einzuholen und so fuhren wir gemeinsam bis zur Kehrbrücke über den Bach. Dort stoppte ich erneut, denn nun war es meinen Füssen dann doch zu kalt. Socken dran, Armlinge ebenso, den Rest der Gummibärchen futtern, die zweite Banane hinterher, trinken.

Der Vollständigkeit halber, die Wasserstelle im Flachstück (Brunnen leicht oberhalb eines Waldweges) gibt es immer noch, aber das Wasser rinnt so dünn, da haben wir aus dem Trog geschöpft. Scheint dennoch „gesund“ gewesen zu sein.

Der Frühaufsteher war also auf und davon, es kam der Radler im weiß/schwarzen Outfit mal wieder vorbei (eigentlich hatten wir mit ihm schon vorher wechselnde Positionen, je nach dem, was gerade so los war) und dann noch einer in nem roten Trikot. Der sah mordsmäßig fit aus und legte ein nettes Tempo rund um diese Kehre vor.

Ein gutes Stück weiter dann noch mal richtig Wasser fassen beim Gasthof, danach ein unangenehmes Stück mit viel Verkehr und dann hatte ich den Roten wieder. Kurzes Gespräch. Ja, er fährt als Abschluss einer ganzen Radwoche jetzt nur mal hoch und oben wartet sein Auto. Toll. Da kann man natürlich in wenig beherzter reinklotzen.

Er kam dann aber trotzdem nicht vor mir am Tunnel an. Den weiß/schwarzen Radler und Frühaufsteher sah ich aber nicht mehr bzw. immer nur mal kurz am Ende der langen Geraden zw. den Kehren.

Kurz vorm Tunnel war die Witterung dann leicht unangenehm, quasi Nebel mit Sicht unter 100 Metern und ich montierte Licht und zog die Weste an. Am Tunnelportal dann die übliche Erleichterung und drüben raus die Steinwüste. Was für ein übles Stück Welt. Wie muss dass vor ein paar hundert Jahren hier gewesen sein, für die Leute, die da drüber mussten oder wollten. Unvorstellbar.

Ja was? Regen… Am Zollhäuschen (jetzt weg und ein paar Meter weiter einem genauso hässlichem Parkplatz mit Restaurant gewichen) dann das volle Programm. Dünne Jacke, Regenjacke, Handschuhe, Regenhose. Noch was essen, trinken. Ab. Es regnet, aber so richtig. Ich bin froh über meine Kleidung.

Der weiß/schwarz Gekleidete hat mich da natürlich wieder überholt, während meiner Ankleideorgie. Aber, in der Abfahrt hatte ich ihn sofort wieder, der war völlig fertig vor Kälte.

Den Gegenanstieg habe ich quasi ignoriert, das Ding war einfach nicht vorhanden und trotz Gegenwind bin ich da drüber wie nix. Warum eigentlich erst jetzt? Ein leises Krampfen verspürte ich, egal.

Kurz unterm Mauthäuserl dann die nächste Überraschung – der Regen ist fertig. OK, du blödes Mistding. Wenn du glaubst, ich ziehe das Zeug jetzt wieder aus…

Schön warm eingepackt ging es runter bis zum Recycling-Hof kurz vor Sölden. Da dann richtig Wärme, ich wählte wieder die sommerliche Garderobe, es gab noch ein Häppchen (vermutlich einen Riegel) und was leckeres zu trinken (bäh…) und schon stehe ich in Sölden mit angezogener Handbremse beim Bäcker beim Grossteil der F-Ötzi-Gemeinde.

Kurzer Infoaustausch wg. unserem Sturzopfer und eigentlich klar, wir fahren weiter. Irgendwie geht es aber nicht vorwärts und so rolle ich langsam los. Und noch ein bisschen und noch keiner hinter mir und immer noch keiner und Sölden ist zu Ende und ich alleine auf der Straße. OK, dann alleine nach Hause. Ist ja nicht mehr weit. Der Rest bis nach Längenfeld ist ja, wie man so schön sagt, auf einer Arschbacke abgeritten.

Einfahrt in den Campingplatz, Zeug vom Leib, alles versorgen, ausgiebige Dusche, Fußweg in den Ort, Suppe, Pasta, Pizza, Spaziergang und dann bald ins Bett.

Abgesehen vom körperlichen Unvermögen und der wahrlich bescheidenen Situation des Unfalls – ein schöner Tag. Trotz ca. 10 km lang unnötigem Regen. Das wäre irgendwie, wenn ein paar Umstände halt anders gewesen wären, auch vermeidbar gewesen. Aber scheinbar ist ein F-Ötzi für mich grundsätzlich mit Regen verbunden.

Im Bett sinnierte ich noch, wie wohl der Sonntag werden würde. Wetter, Fitness, Lust?

C) Sonntag, 4. Ötztaler Radtag (Rettenbachferner autofrei)

Nach etwa neun Stunden hervorragendem Schlaf machte ich das Auto auf und mich umfing Sonne und Wind. Ach, das war schön. Alle Bedenken, dass das kein guter Tag werden würde, waren wie weggewischt. Ich war voller Tatendrang.

Die Beine waren erholt, dem Rest vom Kerl ging es mehr als prima, ich hatte bis 8:30 Uhr Zeit, genoss mein Frühstück (Nusskuchen, Kaffee, Joghurt, Saftschorle) und putzte das OCCP. Es ist doch Sonntag, es muss glänzen, Schaulaufen am Rettenbachferner ist angesagt.

Für den Weg nach Sölden (etwa 16 km) benötigte ich fast 45 Minuten. Am Freitag war ich in etwa 35 Minuten dort. Woher kam denn die Differenz? Von einem irren Gegenwind. Höchstgeschwindigkeit über weite Teile etwa 20 km/h. Ich glaube, ne 30er Geschwindigkeit hatte ich erst kurz vor Sölden, als ich zwei andere Radtagteilnehmer erreichen wollte.

Den F-Ötzi mal andersrum fahren und das komplette Ötztal mit so einem Wind kämpfen? Ich glaube, das ist ne ganz harte Nummer und erhöht die nötige Anstrengung enorm bzw. erfordert eine gute Teamarbeit. Aus dem Inntal raus bis hoch auf’s Joch, das sind ganz viele hm, gepaart mit auch arg vielen km und Wind. Hmmmmm… Wir doch wurscht, heute.

Ich bin in Sölden, die Sonne lacht, es hat wohlige 15 Grad und am Startbogen drücke ich meine persönliche Stoppuhr. Eine offizielle Zeitmessung a la Stoppomat gebe ich mir nicht. Dafür bin ich def. nicht frisch genug.

Es ist ca. 9:15 Uhr, gleich ist der Abzweig erreicht, es geht los. Nach zwei, drei Kehren habe ich meinen Rhythmus gefunden. Die Übersetzung 33/21 ist günstig. Ab und an ein Ritzel leichter, aber vom Prinzip her ist das so ganz prima zu fahren. So arg viele Leute sind noch nicht unterwegs. Die Mehrzahl auf MTB, viele gekleidet in den Sportsachen des Söldener Rad-/Skivereins.

Junge Kerle auf dem MTB haben noch Gaudi daran, sich gegenseitig am Bremshebel zu ziehen und eiern da fröhlich rum, mit viel Gelächter. Wir sind in den ersten zwei Streckenkilometern, es Spaß da.

Na ja, nicht für alle. Gibt auch welche, die brauchen jetzt schon die ganze, sehr breite Straße und winden sich wie eine Schlange im Fußgängertempo nach oben. Bedenklich finde ich nur, dass die so angetriebenen Fahrräder hinsichtlich der Bremsen manchmal nicht so gut aussehen. Die Leute müssen doch wieder heil runter…

Der Verleih (kostenlos) von E-Bikes mit 250 Watt Unterstützungsleistung scheint erfolgreich gewesen zu sein. Ich habe einige Personen auf diesen Rädern gesehen. Allen gemein war, dass ihnen die Elektrounterstützung nichts geholfen hat, zu steil die Straße, zu schwer die Besatzung, zu schwach die Muskeln. Auch hier Schlangenlinien und heftig stampfende Beine.

Ein Tandem sehe ich, sieht aus wie Marke Eigenbau bzw. ein sehr altes Gefährt, ganz dünnes Stahlrohr, langschenkelige „Weinmann“-Bremsen – wie wollen die das Fuhrwerk runterbremsen? Die Besatzung ist nicht mehr die Jüngste, hoffentlich haben sie Erfahrung mit sowas.

Und, ganz kurios, ein „Fahrrad“, das wie ein Stepper, wie man ihn aus Fitness-Studios kennt, angetrieben wird. Bemerkenswert, wie einfach das ausgesehen hat.

Ich bin noch immer im ersten Streckendrittel von 12 km. Überhole fleissig und werde selbst nicht überholt. Es ist gleichmässig steil, der Wald riecht gut, die Aussicht ist schön, es gibt Schatten, den ich auch gezielt anfahre und mir geht es richtig fein.

Nur nicht übertreiben, ich weiß nicht, was mich noch erwartet. Meine Stoppuhr erzählt mir, dass ich eine Kilometerdurchgangszeit von etwa 6:50 Minuten habe. Schnell ist das ja nun gerade nicht.

Komischerweise stehen nirgendwo Schilder mit Steigungswerten, ich kann echt nicht sagen, ob ich mit 9 km/h bei 10% rumgurke und mir der Samstag doch in die Suppe spuckt oder ob es steiler ist und ich mit dem Tempo leben kann. Ach, egal.

Dann passiert was ziemlich komisches. Es ist nicht mehr weit bis zu der Skifahrerbrücke, die die Straße quert, ich kann schon seit einiger Zeit einen Mann vor mir sehen, orangene Jacke und Fitnessrad unter sich. Er fährt langgestreckte Zick-Zack-Linie und ich denke mir, mei – das gibt’s doch gar nicht, was zappelt der dauernd so hin und her. Ich kriege ihn aber nicht. Meine bisherige Meinung, dass jemand am Ende seiner Leistung ist, wenn er die ganze Straße braucht, wurde übern Haufen geworfen.

Denn: Es kommt die Mautstation, in der leichten Wanne ist eine Verpflegung, ich fahre weiter, steche auf den Fotografen zu, damit der auch mal was zu tun kriegt und dann geht es wieder bergwärts. Mein Zick-Zack-Fahrer hat sich verpflegt.

Nach einigen hundert Metern drehe ich mich um und was sehe ich, der Mann holt auf. Und zwar deutlich. Er fährt stoisch seine Querungen. Denke ich mir, egal, auch wenn das albern aussieht. Ich mache das jetzt auch. Höhö… aber sowas von. Meine Herren, das bringt einem tatsächlich Vortrieb. Scheinbar ist der Mehrweg weniger störend als von mir gedacht. Die Erleichterung der Neigung bringt’s…

Nach einem km attestiert mir die Durchgangszeit 15 Sec weniger als zuvor. Und das bleibt so. Der Orangene kann nicht mehr mithalten, ich distanziere ihn deutlich. Mal wieder rumdrehen und was ist, ein neuer Verfolger tut sich auf, ich bin in der ersten Steigung in der Kehrengruppe. Da kommt er, Trikot weit offen, atheltischer Wiegetritt, der Mann sieht richtig gut aus. Der holt mich auf jeden Fall ein. Fragt sich nur, wie lange ich ihm Paroli bieten kann. Mein Ehrgeiz ist erwacht.

Ich praktiziere also erneut das Straßenseitekreuzen (übrigens, von oben kam die ganze Zeit noch keiner runter, aber klar, vor’m Seitenwechsel immer brav Sichtkontrolle!) und kann ihn einige Zeit, die ganzen Kehren hindurch, auf Distanz halten. Aber er kommt, langsam, aber sicher.

Wir plaudern kurz und dann lasse ich ihn auf den letzten 2 km ziehen und fahre selbst wieder anständig geradeaus. Wie sieht das denn sonst aus. In diesem Segment kommen mir auch die ersten MTB-ler entgegen. Ich freue mich auch schon auf die Abfahrt.

Apropos Aussehen. Die Landschaft ist ab der Mautstation ja wie ausgewechselt. Nur noch Gestein, heller Asphalt, Eis und Schnee und Wolkenfetzen. Es ähnelt einer Mondlandschaft oder erinnert auch an den Mt. Ventoux, was die Kargheit angeht.

Nach 1:23 h bin ich oben, bekomme einen Biergutschein, hole mir die alkoholfreie Belohnung im Apres-Ski-Tempel ab und komme mit einem Einheimischen ins Reden.

Nach einer Viertelstunde dann Abfahrt, es zieht zu, keine Spur mehr von Sommer und Sonne, es sieht nach Regen aus. Gilet drüber und ab durch die Mitte.

Es sind nun merklich mehr Radler unterwegs, viele fahren am linken Strassenrand, viele fahren Zick-Zack, viele kämpfen.

Es ist Vorsicht angesagt, aber dank der Scheibenbremsen ist sicheres Verzögern nie ein Thema und es gibt auch Abschnitte, die ich mit 80 km/h laufen lassen kann, wenn ich alleine bin.

Runterwärts sind die Neigungen übrigens beschildert. Sehr nett. 13% lese ich häufiger, auch unterhalb der Mautstation. Also kein Wunder, dass es da vorhin sehr langsam bergauf ging.

Unten, am Start-/Zielbogen bin ich in ziemlich genau 14 Minuten. Demnach ein knapper 50er Schnitt bergab. Das hat sehr viel Spaß gemacht. 1:23 h rauf versus 0:14 h runter. Verrückt…

In Sölden ist es wieder warm, freundlich und schön. Ich gehe in ein Sportgeschäft und belohne mich mit einer neuen Radhose für das geglückte Sportwochenende.

Der restliche Weg nach Längenfeld hält noch eine Schrecksekunde (Auto vor mir geht plötzlich in die Eisen) bereit, die gute Bremse verhindert den Aufschlag auf den Kofferraum gerade noch.

Nach dem Ortsschild: Der Rückenwind und das leichte Gefälle beschert mir Geschwindigkeiten um 50 km/h ohne Probleme.

Am Camping dann sehr nerviger Wind, fahles Licht, die Witterung wird unangenehmer. Schnell wieder alles richten für die Heimfahrt, Dusche, den Platz zahlen und um kurz nach 14 Uhr geht es auf die Ötztaler Bundesstraße. Der Rückenwind hilft auch dem Wohnmobil auf die Sprünge.

Der Fernpass ist wieder verstopft, aber es geht langsam und stetig vorwärts, es ist nicht so schlimm wie es die Gegenrichtung ertragen muss. Und, kurz vor Füssen beginnt dann der Regen, der mich und unzählige Motorradfahrer bis kurz vor Kitzingen auf der A7 begleitet.

In meiner Heimat lacht schon wieder die Sonne und ich kann trocken meine Sachen ausladen.

Viele km, hm und Eindrücke liegen nun hinter mir.

Peng, aus die Maus. Gerne wieder.



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